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ORION Modellbau
Anregungen, Hinweise und Maße

Als der schnelle
Raumkreuzer ORION zum ersten mal auf Rhea zuschwebte oder auf Pallas seinen
Landeschacht ausfuhr, das war schon ein prickelnder Anblick! Die Scheibenform
war zu der Zeit für ein Weltraum-Flugobjekt fast selbstverständlich.
Die klaren, geraden Linien aber machten die ORION zu einem glaubwürdigen
Produkt aus menschlicher Hand. Und doch hatte dieser helle Diskus etwas
zukünftiges, abgehobenes, das seine Glaubwürdigkeit nicht durch
technische Erscheinung gewann, wie es die gute, alte Enterprise tat.
Sie ist auch nicht zu Vergleichen mit den heutigen SF-Konstruktionen, bei
denen von der Schleuse bis zur Schraube alles funktionsfähig zu sein
scheint. Die eher kantige Form der ORION hat man wohl eher bewußt
gewählt. Rundungen wären durchaus möglich gewesen, wie
die Nierentisch-förmigen Konsolen im Leitstand reichlich beweisen.
Wie haben die das damals gemacht? Wie sind die ORION-Modelle konkret
gebaut worden? Leider sind ja die beiden Modelle der Bavaria nicht mehr vorhanden.
So müssen wir uns heute auf wenige Fotos und die Trickszenen aus
der Serie stützen. Dazu kommen Informationen aus Gesprächen von
Josef Hilger mit den noch lebenden Personen aus dem Trick-Team um Theo
Nischwitz.
Oft hat
man den Eindruck, als wenn die ORION von innen leuchtet. Beim Antriebsring
war das auch der Fall. Ansonsten ist das wohl ein Effekt, der durch Scheinwerfer
und die damals verwendete Tricktechnik verursacht wird.
Will man jetzt wirklich ein Modell nachbauen, so stellen sich eine
Menge Fragen. Eine ist die: Aus welchem Material war die ORION? Preßspan
und Sperrholz waren schon immer dankbare Materialien für Bühnendekorationen.
Ein flacher Kegel, wie das Oberteil der ORION, läßt sich damit
aber kaum formen. Zudem waren die 60iger auch die Zeit des Plastik. Die
Plexiklas-Teile sind ja ohnehin nicht zu übersehen. Warum also sollte
nicht das gute Stück ganz aus Plastik sein? Bis auf die Nadeln vielleicht.
Die sehen schon sehr nach angespitzten Besenstielen aus. In Wirklichkeit
hat man damals alles genommen, was gerade gepaßt hat, auch Aluminum
oder Folie und Accuplan, das Basismaterial für Tiefzievorgänge.
Aber auch Mattfolie, Lampen, Kabel, ein Elektromotor und jede Menge Schweißdraht wurde eingesetzt.
Auf Fotos deutlich
zu erkennen ist, daß das große ca. 160 cm Modell an den Werfern aufgehängt
wurde. Dazu muß es von Gewicht und Stabilität eine ausgewogene
Arbeit gewesen sein.
Andererseits müßte das große Modell beim Fluten
von Basis 104 in Folge 7 zerstört worden sein. Und da sieht der
Landeschacht nun wirklich nicht nach solidem Holz sondern eindeutig nach
Plastik aus. Egal, diesmal soll es ja länger halten! Der Drehteil
oben zeigt komplexe Konturen, die das Auge kaum erfassen kann. Mich erinnert
es an einen handlich geformten Drehknopf. Als Hobbybastler fällt mir
da nur Gips oder eine Papier- Kleister- Mischung ein.
Und der Rest
des Modells müßte mit festem Karton und Holz hinzukriegen sein.
Achtung Baumarkt: Ich komme! Erfahrene Modellbauer werden etwas kleinere
Maßstäbe ganz aus Kunststoff schaffen. Ein Pappe-Bastelbogen
ist auch machbar, eine Gummiausführung als Maskottchen am Rückspiegel
baumelnd wäre lieb, ein Zinnguß auf dem Schreibtisch edel.
Doch nun zu
den Details, von denen viele nur auf Fotos oder bei laufendem Film
zu erkennen sind. Das einfachste ist der Landeschacht: Drei Achteckzylinder,
die sich ineinander schieben und dabei in der Diskussektion verschwinden.
Da hier kaum ein Stop-Motion-Trick eingesetzt wurde, ist schon eine saubere
Mechanik zum ausfahren notwendig, Vielleicht ähnlich einem Flaschenzug.
Wenn man genau hinschaut, sieht man, daß die Bodenflächen der
Achtecke leicht überstehen. Das ist nicht nur einfacher zu bauen,
es verhindert auch ein Verzwicken beim einziehen. Am untersten Teilstück
sind auf vier Seiten übereinander je zwei runde dunkle Punkte. Szenen
am Landeschacht machen sie als durchsichtige sich herauswölbende Kuppeln
erkennbar. Wie das Einfahren da noch gehen soll, ist aber unklar.
An einer Schachtseite ohne Kuppeln befindet sich der Ausstieg. Sichtbar
ist er nie. Auf Pallas, und Mura sieht man bei Realszenen vom Landeschacht
nur zwei Seiten bzw. Spanplatten hintereinander mit Plastikkuppeln. Oben
ist noch etwas vom mittleren Segment des Landeschachts zu sehen. Der Ausstieg
ist wohl nur die Lücke dazwischen, wobei oberhalb der Schauspieler
eine Weitere Platte das ganze stabilisiert. Auf Mura erahnt man auch unten
noch ein Brett, mit einer Trittstufe davor zum Übersteigen. Man kann
durchaus vermuten, das der Ausstieg bei der "echten" ORION sechseckig ist,
wie viele Durchgänge in den Außenbasen.
Kleiner Schmunzler am Rande: Man beachte den Schatten der ORION!
Der eingefahrene Landeschacht bildet das gerade
Ende der Unterseite des Diskus, welche ansonsten eine sehr flache
Achteckphyramide ist. Zur Mitte der Phyramide hin umläuft sie eine
schmale Aussparung. Diese entsteht dadurch, daß die Spitze der Phyramide
nach unten versetzt wurde. Durch die Spalte kann man quasi in das Innere
schauen, sieht aber nur Schwarz, und zu den seitlichen Kanten hin einen
Übergang zu Weiß.
Wie kommt
das zustande? Sind dies Flächen innerhalb der Modells, die nur teilweise
von Scheinwerfern beleuchtet worden? Oder haben sie beim besprühen
mit Farbe von außen etwas abbekommen? Es ist wohl doch die Beleuchtung
des Antriebsrings, die auch in die Stabilisatoren dringt.
Die Flächen im Inneren wären ein guter Punkt zum Befestigen
der "Antriebsstabilisatoren", jenen Dreiecken aus Plexiglas, die an allen
acht Ecken der Unterseite befestigt sind. Sie bilden, so scheint es, unten
mit dem eingefahrenen Landeschacht eine Ebene, auf der die ORION landen
könnte, wenn der Antigrav einmal ausfallen sollte. So einfach ist
es aber nicht. Die genaue Betrachtung von Fotos zeigt, daß die Unterkanten
nach außen ansteigen, etwas über die Höhe der Aussparung
im Unterteil. Ein weiteres Detail, daß das abgehobene Aussehen der ORION
ausmacht.

Die Spitzen der Dreiecke ragen weit über den Schiffskörper hinaus.
Auch weiter als der "Antriebsring", der das Schiff genau in der
Mitte umgibt und ebenfalls durchsichtig ist.
Beim kleinen 70cm Modell sind diese Teile übrigens
nicht transparent sondern eher milchig. Der Antriebsring ragt aus der schmalen
Einbuchtung rund um die kantige Schmalseite des Diskus. Ähnliche Einbuchtungen
findet man Jahre später bei den Sternenzerstörern und dem Todesstern
von Star Wars. Ein Plagiat? Wahrscheinlich ist es eine
hyperphysikalische Konstruktionsbedingung bei Überlicht-Antrieben ;-)
Entsprechend den
oberen und unteren Diskusseiten ist auch die Einbuchtung unterhalb der
Antriebsscheibe achteckig bzw. rund. Ober- und
unterhalb ist eine Linie zu sehen. Es ist nicht zu erkennen, ob diese Linie
aufgemalt ist, oder ob es schmale aufgesetzte Leisten sind. Aber das alles
täuscht. Das Mittelteil ist nicht massiv. Es besteht aus sieben
durchgehenden Scheiben, einschließlich des mittleren Antriebsrings.

Die obere Seite des Diskusses besteht zunächst aus einem sehr flachen
runden Kegel. Der war übrigens an seiner Außenseite keineswegs
Rot eingefärbt, wie es auf dem Kartenspiel dargestellt wird. Drei
Nadeln ragen, gleichmäßig verteilt, flach aus dem Kegel. Dünn
und spitz zulaufend wirken sie manchmal wie Antennen. Bei den Trickaufnahmen
steht die dritte Nadel meist nach hinten, genau über einem der
Stabilisatoren. Nur beim Overkillen der Frog-Schiffe ist sie einmal deutlich
zu sehen. Das es die Werfer der ORION sind, ist dagegen im Bild nie zu
sehen. Beim kleinen Modell sind die Werfer mit weniger eleganten Verstärkungskeilen
am Diskus befestigt. Hierdurch und durch die milchigen Plexiglas-Teile
läßt sich sein Einsatz bei den Aufnahmen gut erkennen.

Der komplexeste Teil des Modells ist der Drehkörper, vielleicht die
"Ortungsanlage", an der Spitze. Der drehende Teil ist abgedeckt
von einer durchsichtigen Haube, die sich seiner Form anpaßt und noch
einiges an der Kegelseite entlang geht. Der Drehkörper läßt
sich vielleicht mit sechs durchhängenden Dreieckespyramiden beschreiben.
Das ganze Gebilde ist
aber so fließend, das sich nur durch die glänzenden Reflexionen
eine Gestalt vermuten läßt. Hier hilft nur ein Bild zur Beschreibung.
Wie hält das alles jetzt zusammen? Natürlich, die beschriebenen
Teile waren aller Wahrscheinlichkeit nach miteinander verklebt, sofern
sie sich berührten. Bei der "Einbuchtung" ist das aber nicht so ohne
weiteres möglich. Und tatsächlich sieht man dort an den acht
Ecken deutlich Verbindungteile.
Sind es senkrecht stehende Platten, unten größer, so daß die
Antriebsscheibe darauf liegen kann? Sie sind aber nicht immer zu erkennen.
So sind es viel eher Abstandshalter zwischen den Scheiben, die nicht bei
allen Aufnahmen gesteckt waren. Trotzdem kann man Verbindungsteile im Inneren
annehmen. Wie weit diese nach innen gehen, ist unklar. Sie könnten
auch die Aussparung im unteren Teil überbrücken. Stabil wird
ein Modell, wenn solche Streben durch den ganzen Innenraum reichen, oder
bei der größeren Ausführung bis zum Landeschacht. Schließlich
muß auch das Drehteil mit einem kleinen Motor irgendwo befestigt
gewesen sein.
Es bleiben noch
eine Unregelmäßigkeit zu erwähnen, die in Szenen und Fotos
zu erkennen sind, wie zum Beispiel beim Bild in Jörg Kastners Fanbuch:
Eine rechteckige Aussparung hinter oder in der Antriebsscheibe. Hat da
der Modellbauer geschlampt, ist es Design oder Funktion? Oder sind es wieder
vergessene Abstandshalter?
Welche
Farbe hat die ORION? Es war ja leider letztlich eine Schwarz/Weiß -Serie.
Insofern ist die Frage metaphysisch. Und wer weiß, ob der kultige Eindruck
der Szenen in Farbe gleich geblieben wäre. Das nutzt aber einem Modellbauer
nichts. Er muß seine Materialien aussuchen oder anstreichen. Und selbst
wenn die Trickaufnahmen nicht, wie oft vermutet, in Farbe gemacht wurden;
das ORION-Modell war farbig. Und es gibt zumindest ein paar Farbfotos.
Auf Zeichnungen oder einem Computerbild lassen sich
verschiedene Einfärbungen darstellen: kultig Schwarz/Weiß oder
nach den Farben des ORION-Kartenspiels. Wer auf Originalität besteht
wird sich nach dem Modell richten. Das war oben Hell-Metallic, unten Gelb
und der Landeschacht Blaugrau. Die Spitze Chrom mit gelb-durchsichtiger
Abdeckung.
Alles bisher zusammengetragene reicht noch nicht für den Teile-Zuschnitt.
Es fehlen die Maße. Und es gibt keine exakten Anhaltspunkte, keine
Originalzeichnungen, nichts. Aber das hält uns nicht auf!
Die Proportionen der einzelnen Teile lassen sich
aus vielen verschiedenen Bildern herausnehmen. Auf Perspektiven muß
man dabei achten. Und erst wenn ein Modell aus gleichen Blickwinkeln ein
identisches Bild ergibt, kann man behaupten, es paßt. Hier ist ein
Computereinsatz ratsam. Es ist zwar nicht wichtig für ein Modell,
aber doch interessant, welchen Maßstab es hat. Oder anders:
Wie groß war die "echte" ORION? Ist hier wieder einmal der Mensch
das Maß aller Dinge? Szenen der Basis 104 und am Landeschacht bieten
die Möglichkeit, von der Größe der Darsteller auf die des
Raumschiffs zu schließen.
Die ORION hat nach Angaben der Bavaria einen Durchmesser von etwa 150 Metern.
Eine kompakte Kontstruktion im Vergleich zu heutigen Giganten. Andererseitz
waren bei Perry Rhodan seinerzeit 50 Meter auch schon Beiboot-Maße.
Das deutsche Fernsehen war halt da noch bescheiden.
Dank Maßstab und groben Proportionen ist es nun möglich,
ein "Blueprint" zu erstellen und Einzelteile zu
bemaßen. Neben Computermodellen für Raytrace-Bilder und virtuelle
Welten sind jetzt auch Basteleien jeder Art möglich.
karlos
Starlight Info:
Text & Bilder: karlos
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